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Umweltmanagementsysteme ISO 14001, EMAS II Einleitung Aufgrund wirtschaftlicher Aspekte und durch die zunehmend strenger werdende nationale Gesetzgebung bzw. durch internationale Vorschriften, ist das Thema Umweltmanagement ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenspolitik geworden. In den letzten Jahren hat sich in den Organisationen diesbezüglich ein entscheidender Bewusstseinswandel vollzogen, wobei präventive Maßnahmen im Gegensatz zu "End of Pipe"-Lösungen mehr und mehr in den Vordergrund gerückt sind. Der Grundsatz lautet: "VERMEIDEN vor VERWERTEN vor ENTSORGEN". Um ein effektives Umweltmanagement einführen und aufrechterhalten zu können, existieren verschiedene Normen und Richtlinien, welche die Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem definieren und vorgeben. Die bekanntesten unter ihnen sind die ISO 14001 und die so genannte EMAS-Verordnung. Beide Systeme beinhalten als Hauptziele die Verbesserung des Umweltschutzes sowie die Verringerung von Umweltbelastungen. Aufbau & Inhalt der ISO 14001 Ähnlich der internationalen Normenreihe ISO 9000 für Qualitätsmanagement, setzt sich die Normenreihe ISO 14000 mit Umweltmanagement-Standards auseinander. Darin enthalten ist die Norm ÖNORM EN ISO 14001:2004 (kurz: ISO 14001), welche die Anforderungen zur Einführung eines Umweltmanagementsystems (Environmental Management System, EMS) beschreibt und für alle Organisationsformen und -größen angewendet werden kann. Der Schwerpunkt der ISO 14001 beruht, entsprechend dem Prinzip PLAN - DO - CHECK - ACT (Deming-Regelkreis), auf der kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung. Neben der Einführung, Aufrechterhaltung und Überprüfung (interne u. externe Audits) eines EMS, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, eine international gültige Zertifizierung nach ISO 14001 zu erlangen. Die ISO 14001 wurde 1996 von der International Standardisation Organization (ISO) veröffentlicht und liegt seit November 2004 in der aktuell gültigen Fassung vor. Das Dokument enthält ausschließlich jene Kriterien die für eine Zertifizierung notwendig sind und im Zuge eines Audits objektiv bewertet und gemessen werden können. Für Organisationen welche eine allgemeine Beschreibung und Hilfestellung zum Aufbau eines Umweltmanagementsystems benötigen, wird auf das Dokument "ISO 14004 - General guidelines on principles, systems and support techniques" verwiesen. Folgende Kernpunkte über die Anforderungen an ein EMS werden in Abschnitt 4 der ISO 14001 definiert: - Allgemeine Anforderungen
- Umweltpolitik
- Planung
- Implementierung & Einsatz
- Überprüfung
- Managementbewertung
Zusätzlich wird im Anhang A der Norm eine Anleitung zu den einzelnen Kernpunkten und den jeweiligen Unterpunkten zur Verfügung gestellt. Gegenüberstellung: ISO 14001 - EMAS II Verordnung Das Eco Management and Audit Scheme (EMAS), auch bekannt als EU-Ökoaudit ist ein Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung. Es basiert auf einer Verordnung des Rats der Europäischen Gemeinschaft (Nr. 1836/93) welche bereits 1993 veröffentlicht wurde. Die Beteiligung an dem System ist freiwillig und gibt umweltbewussten Unternehmen durch ein anerkanntes EMS die Möglichkeit, ihre Umweltleistungen zu dokumentieren, zu verbessern sowie ihre Rechtskonformität zu wahren. Im Jahr 2001 wurde eine vollständige Revision der EMAS Verordnung durchgeführt (EMAS II, Verordnung des Europäischen Parlaments Nr.761/2001) und deren Inhalt an die Anforderungen der ISO 14001 angepasst. Neben den grundsätzlichen Gemeinsamkeiten existieren dennoch einige Punkte, die beide Systeme weiterhin voneinander unterscheiden: - Geltungsbereich
Bei erfolgreicher Einführung der EMAS Verordnung wird die Organisation in das EMAS Standortregister als teilnehmendes Unternehmen eingetragen. In Österreich geschieht dies durch das Umweltbundesamt, in Deutschland durch die zuständige Industrie- und Handelskammer. Der Geltungsbereich der EMAS Verordnung ist allerdings auf den europäischen Bereich (EU, EWR) beschränkt, während die ISO 14001 durch die Ausstellung von Zertifikaten weltweit anerkannt ist.
- Veröffentlichungspflicht
An EMAS teilnehmende Organisationen haben die Verpflichtung eine Umwelterklärung zu erstellen und diese zu veröffentlichen. Die Umwelterklärung beinhaltet unter anderem die Auswirkungen auf die Umwelt (direkt oder indirekt), die Umweltleistung sowie die Umweltziele der Organisation. Bei der ISO 14001 hingegen existiert keine Veröffentlichungspflicht umweltbezogener Daten, diese kann jedoch auf freiwilliger Basis erfolgen.
- Gültigkeit
Wird die EMAS Verordnung angewendet, ist die Validierung durch einen zugelassenen Umweltgutachter notwendig. Bei Anwendung von ISO 14001 kann durch ein entsprechendes Zertifizierungs-Audit (ähnlich dem Vorgang bei der ISO 9000 Normfamilie) eine international gültige Zertifizierung des EMS erlangt werden. Bei EMAS erfolgt also lediglich eine Validierung wohingegen bei ISO 14001 eine weltweite Gültigkeit durch das Zertifikat vorliegt. Für Organisationen in Ländern außerhalb der EU, wie zum Beispiel in der Schweiz, können neben den Industrienormen (ISO 9001, ISO 14001) als "Alternativen" zu EMAS weitere spezifische Nachhaltigkeitsnormen wie FSC, ENOPLAN oder Ökostrom angewendet werden. Darüber hinaus existieren behördliche Prüfverfahren (z.B. die Umweltverträglichkeitsprüfung, UVP) um festzustellen, ob ein geplantes Projekt bzw. eine geplante Anlage den gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der Umwelt entspricht.
- Rechtlicher Aspekt
EMAS basiert auf einer EU-Verordnung (= rechtsstaatliches Instrument). Das Audit wird durch die zuständigen Stellen durchgeführt. Die ISO 14001 hingegen stellt eine rein privatwirtschaftliche Lösung dar.
- Integriertes Managementsystem
ISO 14001 ist mit anderen Standards und Managementsystemen wie zum Beispiel ISO 9001, ISO/IEC 27001, OHSAS 18001 kompatibel. Durch die PAS 99 Spezifikation des British Standard Institute (BSI) besteht die Möglichkeit, ISO 14001 in ein integriertes Managementsystem einzufügen. Dadurch kann ein zusammenhängendes System mit einheitlicher Dokumentations- und Prozessstruktur geschaffen werden.
Bedeutung: Validierung - Zertifizierung Die Validierung steht am Ende eines Prozesses oder einer Entwicklung. Sie prüft den Wert (Value) eines Produktes oder einer Leistung aus Sicht des Kunden und seiner speziellen Verwendung. Als Zertifizierung bezeichnet man die Bestätigung der Abläufe auf Normenkonformität durch eine unabhängige akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft. (Quelle: www.quality.de/lexikon ) Eine Zertifizierung nach ISO 14001 gewinnt seit einigen Jahren mehr und mehr an Bedeutung. In Deutschland stieg die Zahl der zertifizierten Unternehmen im Zeitraum von April 2005 bis Juli 2007 von 4440 auf 5800. Dagegen sind die Validierungen nach EMAS eher rückläufig. Deren Anzahl reduzierte sich im selben Zeitraum von 2049 auf 1979. (Quelle: Umweltbundesamt Deutschland) Einführung eines EMS Die Einführung eines Umweltmanagementsystems ist sowohl bei ISO 14001 als auch bei Anwendung der EMAS Verordnung ähnlich und basiert im Wesentlichen auf den folgenden Schritten: - Auswahl eines Standards bzw. EMS-Systems
- Entwicklung einer organisationsweiten Umweltpolitik
- Implementierung und Aufrechterhaltung eines Umweltmanagementsystems
- Audit (intern o. extern)
- Zertifizierung / Validierung
Vorteile eines EMS Durch den erfolgreichen Einsatz eines Umweltmanagementsystems und dessen Zertifizierung (ISO 14001) bzw. Validierung (EMAS II) ergeben sich einige wesentliche (Wettbewerbs-) Vorteile für das durchführende Unternehmen. Diese sind unter anderem: - Imagesteigerung
- Verbesserung der Umweltleistung öffentlich ersichtlich
- Risikominimierung
- Transparenz von Prozessen
- Früherkennung von Umweltproblemen
- Nachweissicherheit / Rechtskonformität
- Einhaltung von Vorschriften
- Rechtssichere Dokumentation
- Kosteneinsparung
- Vermeidung, Verwertung u. Reduktion von Abfall und Schadstoffen
- Ressourceneinsparung (Energie, Rohstoffe)
Kleine- und mittlere Unternehmen (KMU) Als eine Vorstufe zu EMAS bzw. ISO 14001 gilt „ecomapping“. Dieses Werkzeug zur Umweltbestandsaufnahmen und deren Visualisierung ist speziell für kleine Unternehmen konzipiert worden. Je kleiner das Unternehmen, desto höher ist der Aufwand je Mitarbeiter, der für die Einführung eines Umweltmanagementsystems notwendig ist. Eine Vielzahl von KMU setzen sich aufgrund ihrer Unternehmensgröße deshalb gar nicht oder nur in einem sehr geringen Ausmaß mit dem Thema Umwelt auseinander. In ihrer Gesamtheit tragen diese vielen kleinen Unternehmen aber ganz erheblich zur Gesamtumweltbelastung bei. Es gibt verschiedene Gründe und Ursachen warum sich KMU beim Thema Umweltmanagement zurückhalten (z.B. fehlende Erfahrung mit Organisationssystemen). Als de-facto Barriere gelten jedoch die hohen Implementierungs- und Zertifizierungskosten für EMAS bzw. ISO 14001. Hier setzt "ecomapping" durch ein einfaches Konzept an und ermöglicht somit eine kostengünstige Bestandsaufnahme. Alle notwendigen Informationen werden in Betriebsbegehungen gesammelt und in Karten unterschiedlicher Kategorien (sog. ecomaps) eingetragen. Die eco-mapping-Toolbox umfasst insgesamt 10 Schritte und ist frei erhältlich. (Quelle: www.ecomapping.com ) Als eine Weiterentwicklung von "ecomapping" wird das "EMAS Toolkit for Small Organizations" (oder auch "EMAS easy") auf der offiziellen EMAS Website der Europäischen Kommission angeboten. "EMAS easy" ist ebenfalls auf die betrieblichen Voraussetzungen von KMU zugeschnitten. Unternehmen sollen somit in der Lage sein, ihre Umweltauswirkungen kostengünstig zu visualisieren und den betrieblichen Umweltschutz zu vertiefen. Es wird allerdings bewusst darauf hingewiesen, dass es keine Senkung der inhaltlichen Mindestanforderungen der EMAS-Verordnung bzw. ISO 14001 gibt. Es soll lediglich der Zugang zu einem Umweltmanagementsystemen erleichtert werden. Verschiedene Tools und Hilfsmittel, wie zum Beispiel speziell an KMU angepasste Standard-Vorlagen und Checklisten, helfen bei der Umsetzung dieser Anforderungen. Nutzen: - Geringerer Zeitaufwand für die Einführung (Faktor 10 im Vergleich zu EMAS bzw. ISO 14001)
- Kosteneinsparung -> komplettes Toolkit steht zum freien Download zur Verfügung
(http://ec.europa.eu/environment/emas/toolkit/ )
- Kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung
- Schafft Vertrauen externer Partner
- Vollwertige EMAS / ISO 14001 Zertifizierung (bzw. Validierung) möglich
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